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Warum ich niemals in Mwanza war                                                                                                            17.1 – 6.2.12

Vom Zwischenseminar und Krankenhausaufenthalten

Ein Abenteuerroman von Robin Hayn

 

Als wir, das sind natürlich Maria und ich, am morgen des 17.1 in einer für Chikukwe ungewöhnlichen Kälte auf den Bus nach Dar warteten, versprach alles, dass es ein gutes Zwischenseminar werden würde. Ein paar Tage Dar sind niemals zu unterschätzen, besonders wenn man auf dem Dorf lebt. Unsere Unterbringung war auch klar, natürlich bei den Salvatorianern.

Die Busfahrt schien sich unendlich in die Länge zu ziehen, aber wir kamen tatsächlich an. Der Name unserer überfüllten, unübersichtlichen Haltestelle ist „Sudan“. Nachdem wir mit dem Taxi zu den Sisters gefahren waren und gegessen hatten, ließen wir es uns bei den Brüdern gut gehen.

Mittlerweile ist alles schon zu lange her, als das ich wüsste, wie lange wir in Dar waren, oder was wir gemacht haben. Nur abenteuerlich war es, mit all den Menschen und dem Dalla-Dalla-gefahre. Und teuer ohne Ende.

Wir waren in einem riesigem, kalten und unfertigem Einkaufszentrum für reiche Menschen. Im Supermarkt, der noch mal ne Nummer größer als Real ist, gab es sogar Fricokäse, echten Kaffe und Cornflakes aller Art. Unglaublich und irgendwie verstörend, wie das ganze Einkaufszentrum, das weit über unserer Preisklasse lag. Und trotzdem, wir aßen in einem teueren Coffeshop zu Mittag und tranken, zumindest trank Maria echten Kaffe und ich Kakao. Ich war immer noch richtig erschlagen von diesem monstösen Einkaufszentrum. Von Spielzeugläden über Schmuckläden bishin zu BH-Läden war einfach alles vorhanden und teuer. Maria wirkte mit ihrem Uhuru-Kanga ein bisschen fehl am Platz und ich war froh, als wir aus diesem kalten Zenter raus gingen und wieder in der staubigen Hitze Dars waren. Ich bemerkte, wie schön Dar doch eigentlich war und das die Hitze nicht nur Nachteile mit sich brachte. Obwohl die Nachteile der Hitze mittlerweile wieder überwiegen.

Am nächsten Tag waren wir Vormittags mit in der Schule und haben tausend Klassen begrüßt. Die Klassen waren überfüllt und mit Glück gab es eine Tafel in den Räumen. Ansonsten nur Bänke, wie in den 50gern. Ich glaube, ich könnte nicht dort lernen, eingeengt von grauen Wänden. Der Unterricht, den wir gesehen haben, Reli, bestimmt aus Wiederholen. Tausendmal das Gleiche, unter anderem das „Vater-Unser“

Wir haben uns noch eine unfertige Kirche angeschaut, von der ich hoffe, dass sie schöner wird als die in Chikukwe.

Nachmittags fuhren wir wieder ins Zentrum um uns mit Janina zu treffen. Erinnert ihr euch? Wir waren mit ihr zusammen in Mtwara. Viel gemacht haben wir dann doch nicht. Es ging ins Nationalmuseum. Sehr beeindruckend war vor allem Janina, die dem Geldmenschen eindrucksvoll näher brachte, wir seien Studenten, aber keine internationalen Ausweise mithätten aus Angst, sie würden uns gestohlen. Es hat funktioniert und wir haben den Schülerpreis gezahlt. Auch das Museum war beeindruckend und klar strukturiert aufgebaut. Wir haben alle Autos gesehen, die Julius Nyerere oder wie der gute Mensch heißt, jemals gefahren hat. Außerdem kam der erste ATM 1997 nach Tansania und wird mittlerweile ausgestellt.

Wir gingen noch im Steers essen. Ein Fastfoodrestaurant mit Burgern, Pizzen, chinesisch und einer Bäckerei, in der es Croissants gibt. Himmlisch, aber teuer.

Nachdem es dann unklar war, wie wir nach Ubongo kommen, haben die Brüder sich unserer erbarmt und sie haben uns gefahren. Wenn ich dachte Sudan sei groß und übersichtlich, dann ist Ubongo… ich weiß nicht was. Menschen, die einem Tickets verkaufen wollen, andere verkaufen Wasser, Cola, Brot und Kekse. Wieder andere versuchen dir ein Taxi anzudrehen, andere wollen tatsächlich einfach nur reisen. Und mitten in diesem Chaos standen Maria und ich. Schlimm wäre es gewesen, wenn wir alleine wären, aber waren wir nicht. Bruder Lisa hat uns den Weg gezeigt, sich einen Bus aufschwatzen lassen, der vom Preis die Luxusklasse war. Die Freude übers Fenster war groß, allerdings dauerte sie nur kurz an. Nach vergeblichen versuchen des Zerrens und Schiebens, mussten wir aufgeben. Die Mama, die hinter uns saß versuchte uns zu helfen, und auch der Busmensch konnte nichts tun, außer das Fenster der Mama aus der Halterung drücken. Es wurde nicht sofort eingesetzt. Wir starteten also ohne Fenster. Nicht dass ich so viel davon mitbekommen hätte. Wie sollte es anders sein, schlief ich, tief, fest und seelig.

Ich wurde dadurch wach, das auf der Fahrt jemand das Fenster einsetzte, und aß aus Langeweile meinen ganzen Reiseproviant auf. Die Croissants waren echt gut. Schön fettig und überhaupt.

Als dann die ersten Berge zu sehen waren, war ich tief beeindruckt. Allerdings wurde uns bewusst, dass wir langsam aber sicher mal rausfinden mussten, wo Mwanga war. Wir zögerten keine Sekunde und fragten sofort einen Menschen. Einen Moment später stellte es sich als amüsanter Fehler raus. Wir entfachten eine Diskussion, wo wir uns befanden und jeder in diesem Bus hatte eine andere Meinung dazu. Aber letztendliches stiegen wir in Mwanga aus, die Menschen im Bus hatten neue Freundschaften geknüpft und es folgte ein ruhiger Tag bei den Sisters. Fernsehen, abhängen, Essen, noch mehr Fernsehen. Die Soap, India in love, war der hammer. Noch besser waren die Schwestern, die mitgefiebert haben und sich gegenseitig die Handlung erklärten, wenn eine ein paar Minuten verpasst hatte. Nur was das mit Indien zu tun hat, weiß ich nicht. Es gab nämlich zwei Handlungstränge. Einer der in Brasilien spielt und einer der in einem indischen Viertel in Brasilien spielt. Seltsam, aber empfehlenswert für langweilige Nachmittage.

Den Tag darauf fuhren mir nach Rombo, runterherum einen Berg hinauf um zwei Sisters zu besuchen, die dort auf ein Internat gehen. Wir fuhren etwa zwei Stunden, warteten zwei Stunden auf sie, weil sie in der Kirche waren, verbrachten etwa zwei Stunden mit ihnen und fuhren dann wieder nach Mwanga. Die Schule ist krass. Dort wird nur Englisch gesprochen, die Schüler dürfen wenn überhaupt nur 15 Minuten Besuch bekommen. Aber dafür sind die Wände schön gestaltet mit der Nahrungskette, dem Aufbau des Herzens, den Jahreszeiten und vielem mehr.

Das Haus, das die Sisters mit zwei anderem bewohnen ist klein, besser gesagt winzig. Es gibt drei Stockbetten, einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Das wars.

Unser Unterbringung in Mwanga war nicht so überragend, Mückennetze voller Löcher und eklige Käfer im Bad, aber umsonst. Die Brüder, denen das Gästehaus gehörte, waren jetzt auch nicht so nett und hielten uns offensichtlich für dumm. Aber es können auch nicht alle Brüder so nett wie die Salvatorianer sein.

Tja, und am dritten Tag ging es endlich weiter nach Moshi. Während der Berg immer größer wurde, freute ich mich immer mehr darauf Annarina, Miri und Marisa wieder zu sehen, die ich seit knapp einem halben Jahr nicht gesehen hatte.

Nach zwei oder drei Stunden fahrt, vorbei an grünen Wiesen, Jackfruitbäumen, die ich noch immer für einen Scherz halte und kahlen Bergen, erreichten wir die kleine, aber feine Stadt Moshi.

Wir mussten auch nicht lange warten, denn meine Mwanzamädels holten uns vom Stendi, dem Busstand ab und wir konnten unsere Sachen bei ihnen im Hotel unterbringen.

Ja, und dann kam die schöne Kilimanjaro Caffelounge. Wir chillten, kauften Postkarten. Irgendwann ging es dann weiter auf der Suche nach einem Restaurant. Wir entdeckten einen Shop mit schönen Touridingen, aber ein Restaurant war nicht zu finden. Bis ich auf die Idee kam, wir könnten ja dort essen, wo die drei gestern auch schon waren. Eine hammer Idee“ Es gab echten Mozarellakäse auf der Pizza. Nuddelgerichte, Suppen, indisch. Ein Traum nach so langer Zeit mit Reis und Bohnen – obwohl ich das essen mittlerweile mag.

Irgendwann trafen wir in einem anderen Restaurant die anderen Seminarteilnehmer und die nach einigem Warten begann die Fahrt zu unserem Aufenthaltsort. Ein dreistöckiges Gebäude, mit Einzelzimmern und es gab Schwarzbrot, Nutella und Käse.

Das Seminar selber war gut, aber anstrengend, streckenweise auch zähflüssig und am dritten Tag wurde unsere Ruhe durch die Partner, mit denen wir einen Tag des Seminars gemeinsam hatten gestört. Aus war es mit der schmutzigen, kurzen Kleidung, dem Bier trinken und dem „deutsch“ sein.

Dafür fuhren wir nach Marangu, einem Gletschersee mit Wasserfall. Ein wirklich paradiesischer Ort. Das Wasser war eiskalt, aber erfrischend. Maria und Tamino sind tatsächlich den Wasserfall heruntergesprungen. Ich wäre auch gerne, aber ich hatte Angst. Danach ging es noch in die Stadt, schön essen und überhaupt.

Am nächsten Abend feierten wir in Marisas Geburtstag rein, die nun auch alt ist. Doch erst der nächste Abend schrieb Geschichte. Ich spielte meine erste Runde Flunkyball und Bumms wurde gespielt, bevor ins Glacias, einen Club fuhren. Ein Club ohne Wände und stickige Luft. Und haltet euch fest, ich tanzte tatsächlich. Mit einem Kerl, mit der Birthe, mit vielen Menschen. Ich fühlte mich wunderbar. Nur der Kater am nächsten Tag(vielleicht war es auch schon Malaria?) war nicht so geil. Außerdem war das noch der Tag mit den Partnern und die meisten von uns vegetierten auf ihren Stühlen vor sich hin, allen voran ich natürlich. Aber wir hatten Glück mit der Gruppenarbeit. Unsere Gruppe war chillig und unmotiviert, so haben wir viel Pause gemacht.

Sonntagmorgen war alles vorbei. Abegesehen davon das Mama Salalah im Krankenhaus war, war mir übel, voller Kopfschmerzen und ich war mental weg.

Chlafen, kotzen, schlafen, aufs Klo rennen, so sah mein Tag aus. Als Abends endlich klar war, das wir Mama Salalah aus dem Hospital holen konnten, blieb ich gleich da. Mit Malaria. 32 Ringen. Dank Marisa konnten wir die Fragen des Arztes beantworten. Sie beantwortete sie eher, während ich vor mich hin vegetierte und gar nichts mehr wahr nahm.

Als denn der Malriatest gemacht war und beschlossen wurde, dass ich da bleiben musst, ergab ich mich meinem Schicksal schweigend. Ich hatte keine kraft zu kämpfen, verstand noch nicht mal worum es ging. Erst als die Kanüle gelegt werden sollte, erwachte Angst in mir. Todesangst. Meine Hand wurde mit einem Gummihandschuh abgebunden, während sie mit der Nadel in meiner Hand rumstocherte und ich Schmerzen hatte.  Ich übertreibe ein bisschen und dank meinen Mwanzamädels überstand ich alles ganz gut. Annarina blieb die erste Nacht bei mir, wir unterhielt sich mit mir, betüddelte mich und war großartig. Morgens wurde sie von den anderen beiden abgelöst, während ich noch immer(oder schon wieder?) am Trop hing und unselbständig war. Wir lasen den Jahresrückblick Spiegel, hörten Emil und die Detektiv und spielten Black Stories, schliefen, aßen. Nur raus kam ich nicht. Also blieb ich noch eine Nacht. Nachdem das klar war, versuchte ich mich zu waschen und neu einzukleiden, was echt nicht einfach war, aber ich hatte ja Hilfe. Mir wurde essen gebracht, und danach gingen Miri und Marisa in die Stadt, während ich am Krankenhaus, an dem leeren Tropf blieb und auf den Malariatest wartete. Alles halbe Stunde schaute ein Arzt mit einer Schar weißer Ärzte rein, erklärte ihnen was ich hatte und worauf wir warteten. Nach jedem Satz wiederholten sie, als hätten sie Erkenntnis ihres Lebens gehabt, was der Arzt gesagt hatte. Das ging etwa drei Stunden so, bis der Test, von dem ich nie das Ergebnis erfuhr gemacht wurde. Dann kamen sie wieder mit Schiebewagen, Skalpellen, Fieberthermometer, Blutdruckmessgerät und so weiter und sofort. Natürlich zerrten direkt drei verschiedenen Ärzte an mit, die alle etwas tun wollte. Aber mit dem Trop, der mich behinderte und nur zwei Armen war das anstrengend. Aber ich war guter Dinge, denn ich konnte gehen, raus in die Freiheit, zurück ins Leben. Miri und Marisa kamen um mich abzuholen uns zwei Tage später sollte es nach Mwanza gehen. Die Freude und Aufregung war groß. Aber hier steht das nächste, große ABER!

11.2.12 17:57

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Josepha (11.2.12 23:31)
was für ne krasse aktion. du arme. der krankenhausaufenthalt wär der horror für mich gewesen. ich bin gespannt auf den nachfolgebericht und das große ABER.


Nina (27.2.12 18:36)
...ABER??
du kannst einen ja auf die Foter spannen...!


Josepha (27.2.12 21:42)
da muss ich nina zustimmen. aber ich hab schon monika ausgefragt. deswegen kannst du mich nicht auf die folter spannen. :-) warte trotzdem gespannt auf den 2.teil.

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