23.9.11

Hallo Mtwara – bin dem Gedanken wachte ich auf. Morgens packten wir noch die letzten Sachen, gingen wie gewohnt zur Arbeit. Freitags sind die Kinder am schlimmsten, finde ich. Der Tag konnte gar nicht schnell genug enden – nach dem Mittagessen ging es endlich los. Zwei Sisters begleiteten uns zum Dalla Dalla und trugen sorge dafür das wir auch wirklich in den richtigen stiegen. Nach einiger Wartezeit an der Straße und unseren Beteuerungen das Janina besser Kiswahili spricht als wir und die Sisters beruhigt waren, wurden wir in den richtigen Dalla Dalla gesetzt. Die vierstündige Fahrt begann. Zuvor hatten wir allerdings noch mit Janina telefoniert, die schon in einen anderem Dalla Dalla saß auf dem Weg nach Mtwara. Kein Ding!

Erst war es spannend, doch nach einiger Zeit gewann die Langeweile überhand, außer an den Haltestellen an denen länger gehalten wurde und Menschen alles mögliche verkauften. Wirklich alles- Essen, Uhren, Wasser und vieles, vieles mehr. Ich beobachte das Treiben gerne, allerdings gibt es da schon das Problem: sobald man sie anguckt, denken sie du wolltest was kaufen und lassen dich nicht mehr in Ruhe. Habe ich das nicht schon mal geschrieben?

Nachdem ich ein wenig gelesen habe – durchaus unüblich in einem Dalla Dalla – trafen wir auf unser erstes Hindernis. An einer Brücke, die wir überqueren mussten, war ein Dalla Dalla stecken geblieben. Nun konnten wir auch nicht über die Holzbrücke, weil sie einspurig war. Schnell stiegen alle Männer aus um zu schieben. Einer, der ein kleines Mädchen auf dem Arm hatte, wollte auch gerne helfen. Kurzer Hand bot ich ihm an, sie auf dem Schoß zu nehmen. Und schon hatte ich sie auf dem Schoß und der Mann stürmte praktisch los. Ein süßes Mädchen – nur antwortete sie mir nicht. Wirklich schade. Und sie saß ungünstig, denn sie klemmte einen Nerv ab. Irgendwann schlief sie ein und egal wie oft ich sie anders hinsetzte, sie rutschte immer wieder in die Ausgangsposition. Als der Mann ausstieg und seine Tochter mitnahm, war ich heilfroh. Noch glücklicher war ich, als meinen Platz einem alten Mann anbieten konnte und stehen durfte. Noch nie hatte stehen so gut getan, trotzdem war ich froh als ich wieder sitzen konnte. Die Fahrt ging ereignislos weiter, bis wir stecken blieben. Nach einigen vergeblichen Versuchen stiegen wir alle aus. Während Männer Geäst holten, um damit den Sand zu  bedecken, unterhielten Maria und ich uns mit einem netten Herren, der wirklich gut Englisch sprach und sich über Freiwillige freut. Wirklich toll.

Aber nun zu dem Grund des Stecken Bleibens: Die Straße wurde neu geteert und wir mussten auf einen Sandweg ausweichen. Beim wieder auf die Straße fahren, sind wir stecken geblieben. Schade. Aber wie gesagt, das Problem wurde schnell behoben und wir konnten weiter. Doch das nächste stand schon an: Wir wussten nicht, wo wir raus mussten und ob wir vor Dunkelheit in Mtwara ankommen würden. Die zweite Frage beantwortete man uns mit leo, also heute. Danke, wirklich. Nun weiß ich, dass ich saa ngapi fragen muss und nicht lini um Uhrzeiten zu erfahren. Janina, die schon da war, rief an und sagte, wo wir raus müssen. Der Fahrer verstand was wir wollten und sagte und rechtzeitig bescheid. Nur war es tatsächlich schon dunkel und keine Spur von Janina. Oh Gott! Wir riefen an und versuchten ihr zu erklären wo wir waren, aber nicht besonders gut. Sie sagte wir sollten zur Polizeistation gehen wir und fragten uns durch. Allerdings dachten alle wir suchen die Große und nicht die Kleine. Irgendwann rief Janina noch mal und fragte, wo wir waren. Wir versuchten zu erklären und da fuhr sie gerade an uns vorbei. Wir stiegen ein und stiegen beim Paradies wieder aus. Wort wörtlich. Das Gästehaus heißt Guesthouse Eden. Luxus pur mit Selbstverpflegung. Janina hatte schon eingekauft und wir kochten. Nachdem wir Nuddeln mit nicht so geiler Tomatensoße gegessen hatten,  passierte nicht mehr so viel. Wir gingen im dunklen noch kurz zum Wasser, dass direkt vor unserer Tür war und quatschten bis spät in die Nacht. Todmüde fiel ich ins Bett.

 

24.9.11

Der nächste Tag begann relativ früh, gegen 7.00 für mich, mit dem beobachten einer Sportgruppe am Strand aus unserem Fenster hinaus. Nach dem Frühstück gingen wir selber zum Strand. Es war gerade Ebbe, trotzdem ein schönes Bild. Ich meine indischer Ozean und so. hat nicht jeder =)

Wir gingen unendlich weit ehe wir schwimmen konnten, aber blieben nicht lange drin. Der Markt lockte, das Fremde. Nach einem langen, langen Fußmarsch in sengender Hitze, für mich unaussprechliche Qualen kamen wir bei der Bima an, da wo wir ausstiegen sind und ich kaufte Wasser in einem Supermarkt. Leider nur zu wenig. Aber es gab Nutella und Heinz Tomaten Ketchup. Unglaublich aber wahr! Naja, gar nicht so unglaublich. Nur unglaublich teuer. Danach gingen wir noch weiter zum Markt. Er kam mir soweit weg vor, aber er war gar nicht so weit weg und als wir ihn erreichten waren alle Qualen vergessen. Es gab so viel zu sehen. Händler, Kleidung, Kanga und Kitenge, Schuhe, Obst, Gemüse! Es machte spaß dadurch zu schlendern, viel spaß. Ich erstand einen wunderschönen Kanga, dessen Aufschrift mir ein Rätsel ist. „Symtome des Regens sind Wolken“, heißt, wenn ich es übersetze. Wenn jemand Ideen hat, haut sie raus!

Außerdem erstand ich Badeschuhe. Selten hässlich aber bequem und praktisch. Wir kauften noch Essen ein – Reis und Gemüse und gingen zurück zur Bima von der aus wir einen Dreirad-Auto nahmen, dessen Namen ich vergessen habe. Badaji, glaube ich zu wissen. Wie so oft, was Maria manchmal in den Wahnsinn treibt.

Als wir endlich daheim ankamen, nach gut vier Stunden, war auch Flut. Sofort stürzten wir uns ins kühle Nass. Nur war das Wasser schon fast zu warm. Kein Wunder, bei der Hitze! Trotzdem verschaffte es mir die gewünschte Kühlung.

Wir saßen noch ein wenig am Strand um und uns dann in unsere Hütte zu setzen, die schöne offene, um unsere Früchte zu vertilgen. Sehr, sehr lecker! Frisches Obst.

Danach ging es wieder zum Strand, noch einmal in die Fluten und dann einfach nur abhängen, chillen, Seele baumeln lassen. Ich schrieb Tagebuch, die anderen lasen. Nur wurde unsere Ruhe je gestört durch Tansanier, die plötzlich von überall auftauchten, sowie der Sportgruppe. Aber das war gar nicht das Problem. Wir trafen eine Gruppe von reisenden Studenten, die zuerst nur ein Foto machen wollten. Daraus wurde eine ganze Fotosession, einige habe ich auch gemacht, andere wurden von mir gemacht. Frech wurden sie, als der eine mich nur in Badeanzug ohne Kanga fotografieren wollte und mich dann auch noch küssen wollte! Solche Dinge habe ich schnell unterbunden. Ich mag zwar weiß sein und angestarrt werden wie ein Tier im Zoo, aber ich lasse nicht alles mit mir machen. Ende.

„Ende“ haben sie auch nicht verstanden, sondern immer weiter fotografiert. Anstrengend!
Aber es war eine wichtige Erfahrung. Weiße Verhalten sich auch oft so, wenn es heißt ein Foto. Warum sollten die Tansanier da anders sein? Im Grunde haben sie nur ihr Leben fotografiert, festgehalten. Und ich gehöre nun mal dazu. Immerhin lebe, arbeite, lache und weine ich hier. Ich habe keinen Grund mich zu beschweren.

Außerdem war es im Grunde ganz lustig!

Irgendwann gingen sie dann, nur ein paar blieben, mit denen wir uns ganz gut unterhielten. Auf Englisch! Kiswahili wäre zwar Eindrucksvoller, aber dafür sind wir bei weitem nicht gut genug… und die Studenten sprachen ein wirklich gutes Englisch und wollten vieles wissen. Was wir von Tansania halten, ob wir das erste Mal in Afrika seien, was wir hier machen und so weiter…

Als es dunkel wurde gingen sie dann nach Hause und auch wir beschlossen zu kochen – mit Gewürzen von denen keine von uns wusste, wozu sie gut waren. Schade, Schade. Reis, Gemüse und leckere Gewürze. Ein feines Fresschen =)

Wir waren sehr müde, doch der Sternenhimmel lockte und so führte uns unser Weg abermals zum Strand, wo wir lange und schweigend da lagen und in den Himmel Blickten. Einfach wunderschön, unbeschreiblich. Ich habe noch nie zuvor gesehen, wir der Himmel sich so sehr wölben kann. Dazu das Rauschen des Meeres in der Ferne und die Geräusche der Nacht. Romantik pur.

Irgendwann gingen wir dann zu Bett ohne noch viel zu tun.

 

25.9.11

Unser letzter Tag in Mtwara. Den Strand genießen, die Füße ins Wasser tunken und ein wenig wehmütig sein mit großer Vorfreude auf Chikukwe, auf zu Hause. So ging es mir den morgen. Frühstücken, während die Füße im Sand spielten und das Wasser näher kam. In der Hütte sitzen und das Meer betrachten. Ein wenig aufräumen und packen. Gegen 12.00 verließen wir unser Haus, schlossen die Tür ab. In der prallen Mittagshitze.

Wieder gingen wir zu Fuß, diesmal mit Taschen schwer beladen und ich mit einem leichten Sonnenstich. Es war anstrengend, mir war schwindelig. Der Kanga tat als Kopfbedeckung gute Dienste, und die Flasche Saft half ungemein. Auf dem Markt war all das dann wieder vergessen. Jedes mal aufs neue Aufregend.

Irgendwann, nachdem wir noch ein wenig eingekauft hatten, saßen wir sogar im richtigen Dalla Dalla nach Chikukwe. Vier Stunden fahrt, trotz Hörbuch nicht angenehm. Ein kurzer Ausstieg. Der größte Fehler und ein paar Leckereien später ging es auch schon weiter. Fast wären wir zu früh ausgestiegen, doch der nette Busmensch sagte uns bescheid.

Als wir ausgestiegen waren und dem Weg zum Kloster folgten, liefen uns schon Kinder entgegen und halfen uns beim tragen. Wie schön. Außerdem sahen wir eine Schwester auf dem Motorroller aus der Ferne. Wirklich schön wieder zu Hause zu sein! Wir trafen Sister Dorothea, redeten kurz mir ihr und schlossen glücklich unserer Haustür auf und betraten das Haus.

Außer Abendessen passierte nicht mehr viel. Einfach nur noch ausruhen und schlafen.

 

26.9.11

Im Kindergarten hat sich so langsam routine eingestellt, aber es macht trotzdem Spaß. Auch wenn die Methoden der Sisters manchmal ein wenig seltsam sind. So wurden Kinder mit heilen Kleider gelobt und welche mit kaputten Kleider vor der ganzen Klasse getadelt. Ich hatte sogar etwas falsch verstanden: und zwar das Junge mit den kaputten nach hause gehen sollte und erst wieder kommen durfte, wenn die Hose geflickt ist. Aber er blieb den ganzen Tag. Ich hoffe, ich habe es falsch verstanden. Dann standen Fingernägelkontrollen an und jedes Kind mit schmutzigen Fingernägeln bekam einen Klaps mit dem Stock. Wahrscheinlich Schmerzhafter als es aussah und eine sehr langwierige Prozedur, die ich mir kaum angucken konnte.

Der Unterricht verläuft für mich immer besser und ich orientiere mich mehr an dem sturen auswendig lernen und führe Neuerungen, wie selbstständiges Aufgaben lösen nur noch nach und nach ein. So musste ein Kind mir in der jeweiligen Farbe, die ich auf Englisch sagte, einen Gegenstand zeigen. Bei manchen dauerte es wirklich lange, aber so sind die Farben hängen geblieben. Hoffe ich doch!

 

27.9.11

Der Junge mit der kaputten Hose fehlte. Vielleicht habe ich es doch nicht falsch verstanden… oh Gott… was wenn seine Eltern kein Geld haben um die Hose zu flicken? Dabei mag ich ihn so gerne!

Ansonsten passiert nicht so viel. Alltag eben. Die Kinder heulen ständig, wollen getröstet werden, wir versuchen zu unterrichten, können aber besser mit ihnen spielen.

Es war schön mit den Kindern zu spielen, zu toben. Daran könnte ich mich gewöhnen!

Ansonsten können sie nun auf Englisch bis 20 zählen und Sister Martha ein neues Deutsches Wort =)

Die Cashewernte ist da. Im Moment lösen wir die Nüsse nur von den Früchten. Keine anstrengende, aber dafür eine klebrige Arbeit. Kinder hätten genau so viel Spaß dabei wie ich. Nur liegt es bei mir eher an den Sisters =) Aber wir helfen immer nur kurz. Vorher sind wir mit misten und Kühe melken beschäftigt.

 

28.9.11

Heute war Sister Dorotheas Jubiläum. Deshalb war der Kindergarten auch nur sehr kurz. Wir waren mit den Kindern in der Kirche. Der Gottesdienst war sehr schön. Die Länge weiß ich nicht mehr. Am Ende haben alle Sister Dorothea und ihren Eltern gratuliert. Die Musik war sehr schön, mit Tänzen, Trommeln und was sonst noch da zu gehört.

Zwischendurch haben wir mit Sister Klaudias Einwegkamera Fotos gemacht – von den Tänzen, dem Einzug in die Kirche.

Als der Gottesdienst zu Ende war, gingen wir wieder in den Kindergarten um Porridge zu verteilen.

Es waren heute gerade mal 20 Kinder da. Ich weiß nicht warum, aber ich vermute es war ein muslimischer Feiertag. Zumindest haben viele Kinder gefehlt, von denen ich denke, dass sie muslimisch sind.

Nach dem Essen hat Sister Martha uns ins Dorf gebracht, damit wir mit den anderen Sisters zusammen feiern konnten. Die Musik hörte man schon vom weiten aus kratzigen Boxen. Es wirkte, als sei das ganze Dorf versammelt, tanzte, aß, trank, redete und zwar alles durcheinander. Wir saßen bei den Sisters unter einem Pavillon, tranken Soda , während uns alle Kinder anstarrte. Ein seltsam Situation, bei der ich mich sehr unwohl fühlte. Ich verstand auch nicht, warum wir nur unter dem Pavillon saßen und sonst nichts getan haben. Noch schlimmer wurde es dann, als wir auch noch was zu essen angeboten bekamen. Wir mussten sogar essen – ablehnen ist unhöflich. Wir konnten es uns bei unserem zweiten Besuch im Dorf ja nicht gleich mit allen verscherzen. Wir aßen also eine Kleinigkeit und ich war froh, als ich den Teller wegstellen konnte.

Nach einiger Zeit wurden wir dann umgesetzt und landeten unter einem Haus. Maria war von Kindern umringt – ich nicht. Es waren fremde Kinder dabei, Kinder aus dem Kindergarten. Ich beobachtete das bunte Treiben, das tanzen. Tansanier haben wirklich Rhythmus im Blut! Ich leider nicht…

Ein wenig später saßen wir dann hinterm Haus um der Sonne zu entfliehen und wurde ständig angesprochen. Einer betrunken, einer erzählte mir in Europa gäbe es keine Feste und die nächste prophezeite mir, dass ich 12 Kinder haben werde. Gute Sache.

Irgendwann saß dann ein Mädchen auf meinem Schoß, dem ich mehr Faxen beigebracht habe, als sie bisher gelernt hat. Ob das so gut war? Zumindest hatte sie Spaß. Amüsant war es auch, als sie noch Hause sollte. Ihr Bibi, also Oma, ist fünf Mal an mir vorbei gelaufen und jedes Mal war das Kind wieder weg. Schade. Sister Karolina schlief irgendwann ein und zog sich ihre Kopfbedeckung übers Gesicht. Sehr lustig!

Der Betrunkene war ein wenig aufdringlich und ich verstand kein Wort von seinem Englisch und ein anderer fragte mich, ob ich ihm Geld leihe. Nein, war meine Antwort. Den Alkohol haben wir auch abgelehnt. Der Becher, der Inhalt, die anwesenden Sisters – all das machte die Sache nicht so verlockend.

Irgendwann führte unser Weg nach Hause, zusammen mit den Sisters. Ich habe mich versucht mit einem Mädchen zu reden, war aber nicht so erfolgreich. Es hapert immer noch am Kiswahili.

1.10.11 18:45

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