14.10.11

Gestern waren wir endlich zum Ndanda, zum schwimmen, am See. Aber erstmal der Reihe nach. Ich habe lange geschlafen. Bis etwa 7.00. Wenn man bedenkt, dass ich sonst schon um 5.30 wach bin, ist das wirklich lange. Danach haben wir in Ruhe gefrühstückt, Kakao getrunken und nichts getan, bis dann Sister Franziska kam und fragte, wann wir dann nach Ndanda wollten. Wir waren ein wenig erstaunt. Ich hatte erst mit Nachtmittags gerechnet. Also sind wir dann schon um 9.00 los, was wirklich gut war. Schwimmtasche gepackt und voller Erwartungen, ohne zu wissen, wie ich mir den See vorstelle.

Wir gingen also los und die Warterei auf ein Dalla Dalla ging los. Allerdings dauert es nicht lange, bis einer kam. Er war voll, aber nicht unerträglich voll. Nach kurzer Zeit auch für mich ein Platz frei. Nur wurde es ein wenig peinlich für mich. Ich ungelenker Mensch musste klettern. Über einen Karton und über einen Sitz. Und so wie gelacht wurde, sah ich dabei nicht sehr elegant aus. Macht nichts – ich hatte auch spaß dabei. Mir gegenüber saß nun ein Junge von etwa 8 Jahren. Mit großen Augen sah er mich an und brachte ein: „Good mornig, teacher“ hervor und sah furchtbar stolz aus. Sehr süß. Ich habe dann versucht mich auf Swahili zu unterhalten, aber war nicht so erfolgreich.

Dann erreichten wir Ndanda und ich wäre fast nicht rausgekommen. Das große Gedränge ging los. Jeder wollte aus dem Dalla Dalla und andere wollten rein. Letztendlich habe ich es doch geschafft. Wir wollten mit dem Badaji fahren. Leider war keins da. Aufgrund dessen gingen wir zum Hospital in Ndanda. Wir sprachen mit der Wachfrau, die uns fragte, ob wir Kinder hätten und wenn ja, wie viele. Ich war ein wenig überrascht, aber fand es auch irgendwie lustig. Sie selber hat drei Kinder.

Wir verabschiedeten uns und betraten das Krankenhaus. Das erste was mir auffiel war ein seltsamer Geruch, den ich nicht beschreiben konnte. Die Menschen saßen überall auf dem Boden in den Gängen, draußen auf dem Gelände.

Wir wurden auf ein „Zimmer“ geführt von Sister Franziska. In langer, rechteckiger Raum, voller Betten. In der Mitte war nur ein Gang frei um das Zimmer zu durchqueren. Menschen schliefen, sahen uns abweisend an, kümmerten sich um ihre kranken Verwandten. Wir konnten auch einen Blick ins Behandlungszimmer werfen. Ein kleines Kabuff, drei große Flaschen Medizin, ein Tisch, zwei Stühle. Man bedenke, dass Krankenhaus in Ndanda ist ein privates, teilweise von Spenden finanziertes Krankenhaus und weit besser ausgestattet als die staatlichen Krankenhäuser. Ich hoffe, ich werde nie so krank, dass ich ins Krankenhaus muss. Ich habe ja schon in Deutschland Angst davor. Hier sogar fast noch mehr als in Deutschland.

Ich war schockiert. Ich dachte, die Ausstattung wäre besser, anders. Mehr wie in Deutschland. Obwohl ich mir einbildete keine Vorstellung von einem tansanischen Krankenhaus zu haben. Ich merkte plötzlich ganz deutlich, dass ich einem der ärmsten Länder der Welt lebe, in einer Luxushütte, mit Strom und Wasser.

Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, als wir das Krankenhaus wieder verließen und uns in ein Badaji setzten. Es war ganz schön teuer, dachte ich erst. 13000 TSH sind ein stolzer Preis. Die Fahrt dauerte auch gar nicht so lange. Der Wald, in dem wir uns bald befanden, erinnerte mich sehr einen deutschen Wald, dem gar nicht so unähnlich in Habernis oder Steinbergkirche. Fast ein wenig gruselig.

Dann sah ich den See vor mir. Hellblaues, klares Wasser, umgeben von Bäumen. Das Sonnenlicht, welches durch die Bäume drang, spiegelte sich in dem Wasser. Einen Moment standen wir nur da, bis uns einfiel, weshalb hier waren: Schwimmen.

Ich fragte Sister Franziska, ob sie Lust hätte, Bilder von uns im Wasser zu machen und sich machte welche. Schnell zog ich mich aus – den Badeanzug hatte ich drunter -  und es ging ins kühle Nass. Das Wasser war angenehm kühl. Während ich die Treppe nahm, sprang Maria einfach ins Wasser. Wir schwammen zur anderen Seite, kletterten auf einen Stein und sprangen ins Wasser. Wir ließen uns treiben, schwammen, tobten und genossen das Wasser. Es war ganz anders als der indische Ozean. Ruhiger, kühler. Ich kann es nicht beschreiben.

Wir beschlossen zu Fuß nach Ndanda zurück zu gehen, weil wir glaubten, dass der Weg nicht so weit war. Das hatten wir falsch in Erinnerung. Es war weit. Aber es ging gut, weil es nicht so heiß war.

Aber bevor wir dann losgingen, sahen wir uns noch die Wasseraufbereitungsanlangen der Ndanda Springs an. Trinkwasser. In Ndanda kann man sogar das Wasser aus dem Wasserhahn trinken, weil es das Trinkwasser ist. Was ein Luxus! Wir müssen immer abkochen. Aber mit dem Wasserkocher geht das ja schnell.

Im Dalla Dalla schlief ich – mal wieder. Ich sollte mir das abgewöhnen und erst wieder machen, bis ich ein schätzen kann, wo ich raus muss. Maria und ich brauchten ein wenig, bis wir verstanden, dass wir rausmussten. Peinlich, peinlich, aber typisch für uns. Wir sind ohne die Sisters manchmal ein wenig aufgeschmissen.

Gegen 14.30 nach tansanischer Zeit waren wir wieder zu Hause. Maria hatte noch Kraft in der Landwirtschaft zu helfen. Ich nicht. Ich schlief bis sie wiederkam.  Dann gingen wir irgendwann essen. Ich half Sister Martha Mails zu verschicken, oder eher Anhänge einzufügen und hoffe nun, dass die Mail richtig war.

Damit neigte sich der Tag zum Ende und ich machte die Nacht zum Tag, indem ich noch eine ganz Weile versuchte Geschichten zu tippen. Erfolglos.  

 

16.10.11

Zum ersten Mal ganz ohne Schwestern unterwegs. Ganz wohl war Sister Klaudia nicht dabei, dass wir alleine nach Masasi wollten. Unser Swahili taugt nichts, wir sind orientierungslos und überfordert. Nicht dass sie es uns sagte, aber es wirkte so.

Trotz allem sind wir nach dem Mittagessen gefahren. Natürlich fuhr der Dalla Dalla gerade an uns vorbei als wir die Straße zur Hauptstraße runter gingen und der nächste der kam fuhr nicht nach Masasi. Aber wir mussten nicht lange warten.

Es war voll, und zwischen durch sehr holprig, da durch einen Rohrbruch oder ähnliches die Teerstraße aufgerissen war. Wir mussten auf Sandwege ausweichen. 

Wir schafften es tatsächlich richtig auszusteigen und fanden die Bank und die Post auf anhieb. Ich war sehr stolz auf uns. Noch stolzer war ich, als wir den Tag überstanden hatten ohne das jemand uns helfen wollte. Juhu!

Nachdem wir feststellten, dass die Post zu hatte, wollten wir Handykarten kaufen. Gar nicht so leicht. Angeblich kann man sie überall kaufen, nur nicht da, wo wir sie kaufen wollen. Aber wir haben einen Supermarkt oder soetwas ähnliches gefunden, und auf Vorrat gekauft.

Dann endlich sind wir zum eigentlichen Grund unseres Besuches gekommen: Kitenge kaufen.

Sister Magdalena sagte uns, wenn wir ihr Kitenge bringen, näht uns Kleidung daraus.

Der erste wollte mich über den Tisch ziehen und mir weiß machen, der Kitenge kostet 20000 TSH. Das konnte ich nicht ganz glauben und handeln wollte er nicht. Selbst Schuld.

Also gingen wir weiter und fanden einen netten Laden mit einem netten Verkäufer, der uns wohl nicht ganz so heftig über den Tisch gezogen hat. Wir kauften 4 Kitenge insgesamt und gaben dafür 28000 TSH aus. Viel günstiger und selbe Qualität.  Nur handeln klappte nicht. Das hat sich durch unseren ganzen Tag gezogen, wie die Tatsache, dass wir immer im Kreis gelaufen sind. Zwei Orientierungslose, zahlenunfähige Menschen zusammen – herzlichen Glückwunsch.

Als wir noch eine Tasse kauften – Ich habe eine zerdeppert – wurden wir vom Verkäufer verarscht und nachgeäfft. Die Tasse kauften wir trotzdem. Allerdings gibt es doch kleine Handelserfolge: ich habe eine (Naruto)Tasche um 500 TSH runtergehandelt und Maria ein paar Flipflops.

Allen in allem ein erfolgreicher Tag, wenig „Mzungo“-rufe, halbwegs vernünftige Gespräche und viel Spaß.

Wir fanden ohne Probleme ein Dalla Dalla nach Chikukwe, wurden rechtzeitig rausgeschubst von den Geld Menschen und kamen sicher zu Hause an. Unterwegs trafen wir noch eine Schwester die neugierig in unsere Einkaufstüte blickte…

17.10.11 19:41

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